Mit Wolfgang Beinert im Fabrics / nhow-Hotel – Test Teil 2
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Ob ich direkt mit dem Schiff anlegen kann, hatte ich im Vorfeld telefonisch im Restaurant nachgefragt - rhetorisch. Natürlich kann ich das, wenn ich will. Doch die Dame an der Reservierung hatte zu Recht darauf hingewiesen, dass man sich über eine wasserseitige Erreichbarkeit noch keine Gedanken gemacht hätte, das Geländer sei auf einen derartigen Zugang nicht angelegt. Warum eigentlich? Wer hier vom Wasser aus ankommt muss zuerst die Pier-Leiter sehr hoch steigen und dann mühselig über die Brüstung klettern.
Wolfgang Beinert inspiziert sichtlich unbeeindruckt die überbordenden Rundungen und Bonbonfarben der Inneneinrichtung. Er hat für das Wii-Fi-Design nicht viel übrig. In der Bar sitzen drei junge Männer in ausgebeulten Cordhosen und Wollmützen, als wären sie für das Image des Hotels gecastet, im Restaurant herrscht absolute Leere und gedimmtes Licht. Wir sitzen an den großen Fenstern mit Blick aufs Wasser, der bezeichnenderweise durch Gardinen verschleiert wird. Die Lesebrille zum Ausleihen ist nicht auffindbar, aber immerhin gibt es eine. Und überhaupt: der Service im Restaurant ist vorbildlich. Unser Essen jedoch, sowohl bei den Fisch-Pralinchen als auch bei der modernen Interpretation von Königsberger Klopsen mit Schaum-Sößchen, übersalzen. Aber die nicht-alkoholischen Limonaden sind ein ganz großer Wurf, Wolfgang Beinert kostet sich durch alle Geschmacksrichtungen.
Beim Verlassen des Restaurants ist die Bar mittlerweile umringt von Touristen oberhalb der 60+ Altersgrenze, die dort viel Spaß haben. Optisch und atmosphärisch bilden sie einen wirklich irren Kontrast zum Designkonzept.
Wir stehen wieder direkt an der Spree, sehen Schiffe vorbei fahren und hängen unseren Gedanken nach. Warum lässt uns dieser Ort hier so kalt? Das nhow-Hotel mag in sich funktionieren, aber an der Spree genauso wenig wie die wasserseitige Gastronomie im Universal: Diese Orte kommunizieren nicht mit ihrer Umgebung, sie nehmen das Wasser nicht wahr, sie sind sich ihrer Topografie nicht bewusst. Sie sind ausschließlich selbstbezogen, sind eben nur „locations“ am Wasser, mehr nicht.
Wolfgang Beinert hat vor kurzem das Design Center Berlin initiiert. Er hat lange in Rom und Süddeutschland gelebt und ist immer wieder irritiert, wie ungestaltet Berlin an so vielen Orten ist. Sein Berufsstand soll das ändern, auf ehrenamtlicher Basis und mit bürgerlichem Engagement. Für das erste Projekt hat sich das DVB einen Ort am Wasser gesucht.
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