Japan-Berlin Wasserwelten: Die große Welle im Gropius Bau

Berlin Wasserwelten lässt grüßen: Im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai (1760-1846) steht sein weltberühmtes Bild "Die Woge/Die große Welle vor Kanagawain" von 1831. Ein Ausschnitt dieser Welle ist Teil der Cover-Collage des Buchs Berlin Wasserwelten. Nebenbei bemerkt steht das Cover damit in interessanter Nachbarschaft, denn schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts bediente sich Claude Debussy eines vergleichbaren Ausschnitts als Titelbild für die Erstausgabe seiner Komposition "Das Meer".

Hokusai: Die Woge / Die große Welle vor KanagawainAls sich im März dieses Jahres die Atomkatastrophe in Fukushima ereignete, stand das Buch Berlin Wasserwelten kurz vor der Drucklegung. Wir diskutierten im Verlag darüber, ob man angesichts des aktuellen Geschehens diese Covergestaltung verwenden könne, auch Meinungen aus dem Buchhandel wurden dazu eingeholt. Die überwiegende Mehrheit äußerte keinerlei Bedenken, vielmehr wurde die Kombination von Welle, einem 50er-Jahre Sportboot und dem Berliner Fernsehturm als gelungenes Sinnbild für die urbane Bedeutung des Wassers für die Hauptstadt gesehen.

Florian Illies hat in der Zeit auf die gegensätzlichen Rezeptionen von Hokusais Bild hingewiesen – im Westen als Darstellung von Naturgewalt, in Japan gemäß der Shinto-Tradition als Einklang von Natur und Mensch. Seit Fukushima sei das vorbei, schreibt Illies. In allen Köpfen hätte sich das Bild des Tsunamis in Japan über das Bild des Holzschnitts von Hokusai gelegt hat. Natürlich drängt sich im jeweils aktuellen Kontext der zerstörerischen Naturgewalt des Wassers – das gilt für den Tsunami 2004 in Thailand genauso wie 2011 in Fukushima – die Lesart dieses Bildes derart auf. Sie ist aber bei weitem nicht zwingend, wie auch die Coverumfrage von Berlin Wasserwelten gezeigt hat.

Die Faszination dieses Bildes liegt in seiner Ambivalenz. Hier das Wasser mit der Wucht seiner Welle, dort der Mensch, mitten drin und auf dem schmalen Grad zwischen der Fähigkeit, auf dem Kamm der Welle zu reiten und der potentiellen Gefahr, in ihr unter zu gehen. Das macht Wasser aus, im Kleinen ebenso in Berlin, wie die Hochwassersituation gezeigt hat oder im Juni das Kentern von fünf Ruderbooten bei starken Windböen auf der Havel.

 

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