Reich und schön: Potsdams Kulturkampf um Kongsnaes
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Schon wieder gibt es in Potsdam heftigen Streit um ein geplantes Kulturprojekt. Wie schon jüngst bei den auf Hermannswerder geplanten Seefestspielen, die nun an den Wannsee umgezogen sind (siehe Blog-Eintrag vom 10.3.), laufen Anwohner heiß. Diesmal ist die Szenerie besonders schillernd, denn im Streit um die Kaiserliche Matrosenstation Kongsnaes am Jungfernsee steht die Privatidylle der Anwohner der Schwanenallee aus der Fraktion "Reich und schön" auf dem Spiel. Ein Förderverein will jetzt die Öffentlichkeit befragen.
Berlin ist die Wiege des Deutschen Segelsports. Dieser außergewöhnlichen Historie widmen wir im Buch "Berlin Wasserwelten" ein eigenes Kapitel. Für die zunehmende Popularisierung des Segelsports spielte auch der maritim-besessene Kaiser Wilhelm II eine impulsgebende Rolle. Ab 1892 ließ er die Matrosenstation unweit der Glienicker Brücke im norwegischen Drachenstil errichten. Drei Häuser des historischen Ensembles von Kongsnaes (norwegisch für Königliche Landzunge) sind noch erhalten – vor Ort erlebt man hier eine unglaublich verwunschene Zeitreise.
Die geplante Rekonstruktion und der Wiederaufbau des Gesamtensembles durch den Investor stößt aber auf massiven Anwohnerprotest. Die Villenbewohner an der Schwanenallee sehen ihre Reich-und-schön-Welt in Gefahr. Denn in Kongsnaes mit sensationellen Blick über den Jungfernsee soll auch eine Infrastruktur für das Publikum entstehen: ein Café-Restaurant mit Sitzplätzen am Wasser und eine Steganlage (an der Stelle der Kaiserlichen Hafenanlage). Besucher und Ausflügler, die am Wasser sitzen oder mit Booten anlegen und damit ebenfalls an dieser traumhaften Lage partizipieren – konzeptionell wurde hier endlich mal mitgedacht, aber für die solventen Privatiers fühlt sich das anscheinend wie der größtmögliche Albtraum an: Besucher, die im Café-Restaurant am Wasser sitzen (weil sie den Blick auf den See versperren?), Boote, die an der Steganlage festmachen (und wahrscheinlich auch den Blick versperren?), Autos, die die Straße zuparken (wer nur um eine Ecke weiter denkt, weiß: je mehr Bootsausflügler, umso weniger parkende Autos)… Auch muss man sich wirklich fragen, was bei geplanten 30 Sitzplätzen im Freien an dieser Konzeption überdimensioniert sein soll. Fazit: Das Preußische Arkadien am Wasser soll exklusiv bleiben - der Konflikt um den öffentlichen Uferweg am Griebnitzsee lässt grüßen!
Bereits seit 15 Jahren engagiert sich ein Förderverein (http://www.kongsnaes.de) für die Wiederherstellung der Matrosenstation. Angesichts der Einwände der Privatanwohnern will Kongsnaes e.V. nun die Stimmen der Potsdamer einbinden und ruft zur Teilnahme an einer Umfrage auf.
Berlin Wasserwelten unterstützt diese Umfrage – die zukünftige Gestaltung der Matrosenstation ist außer für eine handvoll Privatleute auch noch für ein paar zigtausend andere Menschen interessant. Auch soll dort eine Lokalität am Wasser entstehen, die endlich einmal Wassersportler mit einer Anlegemöglichkeit miteinbezieht! Ausflugslokale am Wasser sind hier an einer Hand abzuzählen, mit Anlegemöglichkeiten für Sportboote und Wasserwanderer gibt es kein einziges und ist deshalb längst überfällig.
Informieren und mitmachen: Umfrage unter: Förderverein für die Wiederherstellung der Matrosenstation, http://www.kongsnaes.de
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