Russische Kirche

Am Rande Berlins, hinter dem Flughafen Tegel, nahe einer Autobahn, in einem Industriegebiet, umgeben von Autowerkstätten, liegt eine kleine russische Einöde. Eingekreist von unablässigen Verkehrsgeräuschen ragen die fünf märchenhaften blauen Zwiebeltürme der russisch-orthodoxen Hl.-Konstantin-und-Helena-Kirche in die Höhe. Ein verträumter Friedhof umgibt dieses älteste orthodoxe Gotteshaus der Stadt. Wladimir Dmitrijewitsch Nabokov, der Vater des Literaten Vladimir Nabokov, liegt hier begraben. Auf der Flucht vor der Oktoberrevolution gelangte die Aristokratenfamilie nach Berlin, wie 350.000 weitere russische Emigranten, die in den 1920er Jahren in der Hauptstadt lebten. An Michail Glinka, den Komponisten des Bolero, der lange Zeit in Berlin lebte und dort 1857 starb, erinnert ein Denkmal auf dem Friedhof.

Bei dem Ort handele es sich um „ein echtes Stück Russland“, schwärmt die Kirchenpflegerin Irina Sange sichtlich stolz. Die freundliche Dame mit Kopftuch hat im wahrsten Sinne des Wortes recht: Ende des 19. Jahrhunderts wurden 4.000 Tonnen Erde aus allen Landesteilen Russlands in Eisenbahnwaggons nach Berlin verfrachtet und auf das Areal aufgeschüttet. Auf diesem Boden entstanden 1893 Kapelle und Friedhof. Selbst die Bäume kommen aus dem Mutterland.

In der Kapelle überraschen sogleich die ungewöhnlichen Dimensionen. Der enge Raum ragt weit in die Höhe. Wie alle orthodoxen Kirchen ist auch diese reich geschmückt.Zu beiden Seiten des opulent vergoldeten Altars stehen bedeutende Ikonenbilder der Gottesmutter Maria. Die Gemälde sind Schenkungen des Klosters auf dem Heiligen Berg Athos in Griechenland.

Adresse: Russische Kirche, Wittestr. 37, 13509 Berlin

Aus: Eichhorn, Peter & Götz, Thomas: Berlin. Sakrale Orte. Grebennikov Verlag, 2010. ISBN: 978-3-941784-09-3

 

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