Max & Moritz und Prinzen und Prinzessinnen mit Coledampf – Märchenmahl in Kreuzberg
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Tischlein deck dich!", möchte der Hungrige rufen und wird zunehmend in der Gegend rings um den Moritzplatz in Kreuzberg erhört. Der fade Kreisverkehr, der zu Mauerzeiten im Zonenrandgebiet am Grenzkontrollpunkt Heinrich-Heine-Straße lag, mausert sich zunehmend zum zauberhaften kulinarischen Geheimtipp. Reisen wir mit Gulliver und machen eine kulinarische Bestandaufnahme an dem Platz, der gerade von seinem Aschenputtelimage befreit wird.
Los geht es im Jahre 1902, als das Wirtshaus Max & Moritz in der Oranienstraße 162 seine Pforten öffnet. Damals lebte Wilhelm Busch, der Schöpfer der zwei frechen Gestalten noch und erteilte seine persönliche Genehmigung zu der Namensgebung. Der Charme der Gründerzeit blieb bis heute erhalten, vor allem seit die Betreiber das Obergeschoss aus dem Dornröschenschlaf erweckten, wo vor allem die originalen Bildglasfenster Beachtung verdienen. Solide Speisen aus Witwe Boltes Suppentopf zu Königsberger Klopsen werden von Kreuzberger Molle vom Brauhaus am Südstern und ausgewählten Weinen begleitet.
Eine Fee wurde aus dem Osten der Hauptstadt durch hohe Mietforderungen vertrieben und bezaubert uns nun im Aufbauhaus und weckt Kochlust. Der gleichnamige Fachbuchhandel für kulinarische Lektüre und Kochbücher. Hat die Betreiberin gänzlich mit dem Osten abgeschlossen? Jedenfalls zählt das gelungene Werk "Blauer Würger – So trank die DDR" von Thomas Kochan leider nicht zum Dauersortiment. Dafür können sich die durstigen Leser immerhin trösten mit dem verfügbaren "Von Ale bis Zwickel – Das ABC des Bieres" aus dem Berliner Grebennikov Verlag. Wer von den Buchbissen bei Kochlust zum realen Hunger getrieben wird, hat Glück, wie ein Goldesel. Er muss nicht Hänsel-und-Gretel-gleich den Krumen in den finsteren Wald folgen und auch nicht rumpelzilzig fluchen und backen. Nein, er kann sich gleich an einem der holzgescheuerten Tische inmitten der reichlichen Küchenausstattung von Coledampf´s CulturCentrum auf 500 Quadratmetern, niederlassen. Der bewährte Fachmarkt für ausgesuchte Küchenutensilien (wir berichten in "Berlin beißt sich durch" auch über die Filialen in Wilmersdorf und Prenzlauer Berg) hat am Moritzplatz mit Coledampf´s Küche und Café erstmals zusätzlich einen Ort geschaffen, wo die nachhaltigen regionalen Produkte gleich frisch zubereitet auf den Teller kommen. Bestimmt sind auch Lämmchen und Fischchen, süßer Brei und Krautesel dabei.
Was wäre unser märchenhafter Zug durch die Gemeinde ohne Prinzen und Prinzessinnen. Gleich gegenüber, auf der anderen Seite des Kreisverkehrs, finden wir den Prinzessinnengarten. Dort wird auf 6.000 Quadratmetern seit 2009 eine ökologische und soziale Landwirtschaft betrieben. Einstmals fade Brachfläche mit mittelmäßiger Flohmarktbespielung. Heute Nutzgarten und Treffpunkt für Kiezbewohner, die sich hier erholen, versorgen und fortbilden können. Bienenzucht, Beetpatenschaften und weitere Facetten urbaner Bäuerlichkeit, bescherten dem Projekt bereits zahlreiche Preise und Erwähnungen, beispielsweise den Jury- und Publikumspreis des Utopia-Awards 2010.
Seit wenigen Wochen können wir nun auch einen Prinzen präsentieren. Aber: die beiden Königskinder können zueinander nicht finden, der Kreisverkehr ist schuld. Wir begeben uns zurück ins Aufbau Haus und suchen über die Prinzenstraße einen Zugang in das untere Geschoss, wo der Club mit Bar "Prince Charles" in einem ehemaligen Schwimmbad von Mittwoch bis Samstag ab 19 Uhr zu zertanzten Schuhen und Geist im Glase bittet.
Rotkäppchen nimmt nun seinen Hut, sucht die Alte im Wald und teilt die Goldene Gans mit Rapunzel. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann futtern sie noch heute...
Na, wie viele Märchen haben Sie erkannt?
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