In Preußen steht ein Hofbräu (Haus)
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Wenn ein schönes Gerstengebräu die Bierlandschaft der Hauptstadt bereichert, so ist es herzlich willkommen. Nachdem die einheimische Brauereienlandschaft in den vergangen Jahren durch die Aufkäufe der Radeberger Gruppe immer weiter reduziert wurde, ist jeder Neuzugang zu begrüßen. Seien es die kleinen Gasthausbrauereien, oder eben die Zuzügler aus anderen Landen, die ihre Spezialitäten mitbringen. Mit dem Regierungsumzug vom Rhein an die Spree nahm der Kölsch-Konsum in Berlin zu und nun entdecken die bayerischen Brauhäuser, mit ihrem Hellen Bier, den Durst der Berliner.
Rings um den Gendarmenmarkt finden sich die Großgaststätten von Löwenbräu und Paulaner, zu denen sich noch Augustiner gesellte. Im Garnisonbräu am Hackeschen Markt fließt seit einigen Monaten das Bier des Allgäuer Brauhauses in die Krüge. Und seit dem 4. November wehen Fahnen mit dem weiß-blauen Rautenmuster auch am Alexanderplatz.
Zu DDR-Zeiten befand sich in dem zweistöckigen Gebäude eine riesige Kantine für die umliegenden Büros und wurde "Fresswürfel" genannt. Nun ist inmitten der bayerischen Dekoration Platz für stolze 1600 Gäste. Wenn es nach den optimistischen Betreibern geht, dann sollen täglich 3000 Liter Hofbräu in die Krüge kommen. Eine Maß ist für 7,20 Euro zu haben. Die Küche, die mit bayerischen Klassikern wie Weißwurst, Radi und Leberkäs, daher kommt, vermählt sich schlau mit den Klassikern der Berliner Küche, um den unwissenden touristischen Markt auch mit Eisbein und Currywurst abdecken zu können. Bei den Getränken sucht man die Verbrüderung allerdings vergebens. Eigentlich schade, die Idee hätte man mit Fassbrause, Gilka Kümmel, Mampe Halb und Halb und einer Berliner Weiße durchaus weiterführen können. Stattdessen gibt es Ramazotti, Fernet Branca und Aalborg Aquavit. Bitte sehr.
Küche und Servicepersonal, die aus Dirndln und Lederhosen heraus berlinern, brauchen sicher noch ein paar Tage, um den Riesenschuppen mit der nötigen Routine zu bespielen. Jedenfalls bedienen sie im Hofbräu und nicht im Hofbräuhaus. Diese Namensrechte mag das Münchener Stammhaus nicht herausrücken. Vor elf Jahren wollte sich das heutige Lindenbräu im Sony Center bereits einmal mit dem Namen Hofbräuhaus schmücken, was nach juristischem Gerangel dann aber untersagt wurde.
Im Berliner Hofbräu soll die süddeutsche Stimmung mit den Klängen der bajuwarischen Schunkelmusike untermalt werden. Hier kommt dann doch wieder ein Berliner ins Spiel. Das berühmte Hofbräuhaus-Lied mit den bekannten Zeilen: "In München steht ein Hofbräuhaus - oans, zwoa, g'suffa", stammt nämlich von dem Charlottenburger Komponisten Wilhelm Gabriel, genannt Wiga, der die Noten im Jahre 1935 aufs Blatt brachte.
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