Brauhaus Südstern
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Das Viertel rund um den Südstern ist schon seit geraumer Zeit kulinarisch interessant. Immer mehr Fachgeschäfte und Restaurants kommen hinzu. Trendsetter war vor bald zehn Jahren das Brauhaus Südstern mit seinem geräumigen Innenbereich und dem herrlichen Biergarten, der in die grüne Hasenheide ragt. Die beliebten hauseigenen Sorten wie Heller Stern oder Roter Stern fließen reichlich aus dem Hahn. Den Wissensdurst bezüglich ihrer Herstellung stillen Braukurse, die Thorsten Schoppe abhält. Der gebürtige Braunschweiger hatte seinerzeit die Wahl zwischen zwei Studienorten: Weihenstephan oder Berlin, nur hier kann man Brauereiingenieur werden. Dem Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie (IfGB) in Wedding ist die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) angegliedert, hier wird alles Wissenswerte zu Spirituosen und Bieren gelehrt und experimentiert.
Seit seinen ersten Versuchen in der elterlichen Waschküche verspürte Schoppe den Wunsch, sein eigenes Bier herzustellen und zu verantworten, ein kleines Rädchen im Getriebe einer Großbrauerei wollte er nicht sein. Daher machte er sich unmittelbar nach dem Studium selbständig und blieb im trinkfreudigen Berlin.
An Samstagen, morgens um neun, finden sich Interessierte und Brauwillige zu den sechsstündigen Kursen ein. Schoppe ist jedes Mal gespannt, was für eine Gruppe es an die Maische und die Bottiche zieht. Die gefüllten Krüge kommen immer gut an, doch geht es nicht nur ums Trinken, geduldig beantwortet Schoppe Fragen rund um die Kunst des Bierbrauens. Jede Zutat und jeder Produktionsschritt werden theoretisch und praktisch behandelt, das ermöglicht dem Teilnehmer, der wirklich will, nach diesem Kurs daheim sein eigenes Bier zu brauen.
Schoppe schmunzelt, wenn er an die Nachwirkungen seiner Seminare denkt. Heimbrauer bringen ein merkwürdiges Gesöff vorbei, das er probieren soll, um zu analysieren, was da wohl schiefgegangen sein mag. Sein Handy mit der Notrufnummer von Schoppe-Bräu klingelt zu ungewöhnlichen Zeiten, und Männer mit merklich schwerer Zunge erkundigen sich, bei welcher Temperatur man die Hefe beimengt. Schoppe hilft gern weiter, denn es gefällt ihm, wenn die Vorzüge des frischen Gebräus, wie es die kleinen Brauhäuser produzieren, erkannt werden. Gegenüber den Erzeugnissen aus den großen Industriebetrieben gibt es bei dem naturtrüben Bier zwar kürzere Haltbarkeiten, aber Geschmack und Bekömmlichkeit sind besser, da gesunde Antioxidantien und die Vitamine A und B erhalten bleiben, weil Konservierungsmaßnahmen wie Wärmebehandlung nicht durchgeführt werden. Auch auf Filtration, die Geschmacksstoffe entzieht, wird verzichtet.
Mit anderen Brauhäusern wie dem Brauhaus Rixdorf oder dem Brewbaker in Moabit ist Schoppe gut bekannt. Gemeinsam wundern sie sich, dass es ausgerechnet im Bezirk mit der längsten Biergeschichte, Prenzlauer Berg, noch keine Gasthausbraustätte gibt. Er selbst genießt zum Feierabend gern einen Malt Whisky. Und Bier? Aber sicher. Nicht unbedingt sein eigenes, da wäre er wieder zu nah an der Arbeit und würde automatisch zu analysieren beginnen, statt zu entspannen. Lieber ein Pils mit vernünftiger Schaumkrone. Sieben Minuten lang gezapft? Nein, lacht Schoppe, wer in der Abschlussprüfung zum Brauer und Mälzer diese Antwort wählt, fällt durch.
Adresse: Brauhaus Südstern, Hasenheide 69,10967 Berlin, Öffentliche Verkehrsmittel: U7 Südstern
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